Bergische Kräher


Die Bergischen Kräher sind viel älter als die organisierte Rassegeflügelzucht, und man kann sie wohl mit Recht als die älteste lebende deutsche Hühnerrasse bezeichnen.
 Mittlerweile gilt als gesichert, dass ihr Ursprung im Balkanraum liegt, wo noch heute ihre nächsten Verwandten und Vorfahren, die nun auch in Deutschland gezüchteten Bosnischen Kräher, vorkommen.

Das Besondere an ihnen: der langgezogene Krähruf, der damals von keiner anderen in Deutschland bekannten Rasse hervorgebracht wurde und dafür sorgte, dass Einkreuzungen weitgehend unterblieben, denn die so bewunderte Länge des Krährufes hätte darunter unweigerlich gelitten. Alljährlich wurde ein Krähwettbewerb veranstaltet, eine grosse Volksbelustigung, zu der von weit her die Züchter angereist kamen und bei der es lange Zeit hohe Preise für die Sieger zu gewinnen gab. Nicht nur die Länge des Krährufs zeichnet den Bergischen Kräher aus, sondern auch die tiefe Tonlage, die im Laufe des Rufs etwas ansteigt, um dann wieder zu sinken und schliesslich in einem Laut zu enden, der durch das Wiedereinziehen der Luft nach dem eigentlichen Ruf hervorgerufen wird. Dabei läuft ein guter Kräher einige Schritte vorwärts, streckt den Hals vor und senkt den Kopf immer tiefer zum Boden.

Bergische Kräher sind langgestreckte, ziemlich hoch gestellte und aufgerichtete Hühner, die sich zahlreiche natürliche Instinkte bewahrt haben. Sie sind temperamentvoll, wachsam und reagieren schnell auf ungewohnte, ihnen bedrohlich vorkommende Ereignisse. Flugtüchtig und aktiv, wie sie sind, fühlen sie sich in großen Ausläufen am wohlsten. Den ihnen vertrauten Personen gegenüber können sie sehr zutraulich werden, anderen gegenüber bleiben sie jedoch wachsam.

Früher kamen Bergische Kräher in verschiedenen Farbvarianten vor. Am häufigsten waren Schwarz-goldbraungedobbelte, Schwarz-weißgedobbelte und Schwarze. Leider wurden 1885 nur die Schwarz-goldenen als Farbschlag anerkannt, woraufhin die Schwarzen nach und nach verschwanden. Die Schwarz-weißen ordnete man rein pragmatisch den Bergischen Schlotterkämmen zu. Sie lebten dann unter falschem Etikett weiter, bis sie schließlich 1929 (nahezu) ausstarben. Nahezu deshalb, weil aus den Schwarz-goldenen immer wieder Schwarz-weiße spalten, auf deren Basis dieser Farbenschlag wieder etabliert werden könnte.

 

Mit der Dobbelung ist eine Federzeichnung gemeint, die in der Mitte einer schwarzen Feder einen recht kleinen goldbraunen Fleck aufweist, also eigentlich eine extrem breit gesäumte Feder. Die Brust des Hahnes erscheint dadurch beinahe schwarz, nur an den Seiten sollen einige goldbraune Punkte sichtbar sein. Das Schmuckgefieder ist leuchtend goldbraun, mit jeweils einer schwarzen Spitze an jeder Feder. Das goldbraune Flügeldreieck ist bei Hahn und Henne von schönen glänzenden Binden geziert, und bei den ansonsten fast schwarz erscheinenden Hennen blitzen doch bei jeder Bewegung die goldbraunen Dobbeln unter den Federn hervor, was sehr reizvoll wirkt (und auf Fotos leider nicht zur Geltung kommt).

Bergische Kräher brüten selten, doch kann ihre Brutlust durch weitgehend natürliche Haltung (große, strukturierte Ausläufe, Belassen der Eier im Nest) deutlich gesteigert werden.Die seit 2005 in Deutschland gezüchteten Bosnischen Kräher bilden als Schwesterrasse der Bergischen eine optimale Genreserve für die seit Jahrhunderten in Deutschland isolierte Population unserer Kräher.Zuchtschwerpunkte befinden sich derzeit im Bergischen Land, in Hessen und ganz besonders in Sachsen.