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wettkrähen

Wettkrähen der Bergischen Hühnerrassen 2008

Die Bergischen Kräher sind nachweislich unsere älteste heimische Hühnerrasse. Schon im 12. Jahrhundert kamen mit den Rückkehrern der Kreuzzüge ihre Vorfahren aus dem südosteuropäischen Raum in das Bergische Land. Dort wurde ihr langanhaltender Krähruf über Jahrhunderte gefördert und Kräherfeste mit hoch dotierten Preisen ausgetragen. Was diese Feste von damals schon mit den heutigen verbindet ist die Tatsache, dass die Juroren nicht wie bei sonstigen Wettkrähen lediglich die Anzahl der Krährufe in einer bestimmten Zeit zählten, sondern besonderen Wert auf die Länge und Melodie des Rufes legten. Abgewichen von der alten Tradition sind die Preise, die den Siegern heute überreicht werden und die einst der Zeit entsprechend sehr feudal waren. Alte Quellen besagen, dass früher schon mal 100 Taler, eine Kuh oder gar ein Bauernhof für Siegerhähne ausgespielt wurden. Darüber kann man heute nur staunen. Es ist es allerdings ein Beleg dafür, welch hohen Stellenwert der Hahn auf einem Bauernhof einst genoss. Als moderner Züchter wünscht man sich dieses Ansehen in der heutigen Zeit gern mal wieder zurück.

Ende des 19. Jh. wurden die Bergischen Kräher, wie viele andere heimische Rassen auch, immer seltener. Auch die Einschränkungen im Geflügelstandard auf nur noch einen Farbenschlag (schwarz-goldbraungedobbelt) taten ihr übriges. Zu dieser Zeit entstanden zwei regionale Zentren der Zucht Bergischer Kräher und Bergischer Zwerg-Kräher in Deutschland. Zum einen die angestammte Heimat im Bergischen Land und als zweite Hochburg das Gebiet in Ostsachsen. Hier im Sächsischen wurde auch 1884 die erste rassespezifische Züchtervereinigung Deutschlands gegründet, deren stolzes Erbe namentlicher Bestandteil der heutigen „Vereinigung der Züchter Bergischer Hühnerrassen und deren Zwerge – Kräherzüchtervereinigung seit 1884“ ist.

Den beiden Hochburgen entsprechend organisieren wir unsere Kräherfeste regional getrennt. So auch in diesem Jahr. Die sächsischen Zuchtfreunde führten ihr 50. Wettkrähen als Jubiläumsveranstaltung der „Sächsischen Kräherzüchtervereinigung von 1884“ als ganz besonderen Höhepunkt am Sonntag, den 27.04 2008 in Herwigsdorf bei Löbau durch. Organisiert und vorbildlich ausgerichtet wurde dieser Höhepunkt von der Familie Wünsche, unterstützt durch den Kleintierzuchtverein Herwigsdorf.
Aufgeboten wurden 22 Bergische Kräher des Jahrganges 2007 (Junghähne), 8 Althähne, 11 Bergische Zwerg-Kräher, 2 Bosnische Kräher, 1 Denizli-Kräher und 1 Totenko. Bei den Bergischen Junghähnen siegte Rolf Trautewig knapp vor Manfred Knappe. Ihre beiden Hähne krähten 11 Sekunden. Den dritten Platz belegte ein Hahn von Karsten Unglaube mit 9 Sekunden. Bei den Althähnen siegte ein Hahn von Thilo Bock mit 13 Sekunden vor Victoria Kästners Hahn, der 9 Sekunden krähte.
Mit 7 Sekunden krähte sich ein Hahn von Dietmar Kleditsch bei den Bergischen Zwerg-Krähern auf den 1. Platz. Damit lag er vor dem Hahn von Doreen Heide, der 5 Sekunden in die Wertung brachte.
Der Totenko-Hahn von Karsten Unglaube krähte 15 Sekunden, ein Bosnischer Kräher von Victoria Kästner 14 Sekunden.

Das zweite diesjährige Wettkrähen fand am 25. Mai 2008 im Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold statt. In der Atmosphäre eines historischen westfälischen Dorfes hatten wir die Möglichkeit, unsere Hähne und Stämme an einem herrlichen, sommerlichen Sonntag publikumswirksam zu präsentieren. Eine Chance für unsere seltenen Rassen, die wir immer wieder nutzen sollten. Das Meldeergebnis zeigte allerdings das Gegenteil. 5 Bergische Kräher, 3 Bergische Zwerg-Kräher und 2 Bosnische Kräher von insgesamt 5 Züchtern ist ein miserables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass in der Region um das Bergische Land ca. 30 Kräherzüchter zu Hause sind und eine anderthalb- bis zweistündige Fahrt zum Kräherfest durchaus zumutbar ist. Zumal Zuchtfreunde aus Osthessen, Thüringen und Niedersachsen angereist waren, deren Wege weitaus länger sind. Die Organisatoren aus dem Detmolder Verein und auch die Mitarbeiter des Freilichtmuseums bemühten sich um eine ordentliche Ausgestaltung der Veranstaltung. Und wir honorieren das mit einer solch geringen Teilnahme? Hier sollte jeder Kräherzüchter in sich gehen, sich an die positiven Erlebnisse der Kräherfeste aus den letzten 4 oder 5 Jahren erinnern und seine positiven Schlüsse für die kommende Saison ziehen.

In Detmold siegte in der Klasse 1 - Bergische Kräher - ein Hahn von Thilo Bock mit 11 Punkten (10 Sekunden Krähruflänge plus 1 Zusatzpunkt für die Melodie) vor einem Hahn aus dem gleichen Stall mit ebenfalls 11 Punkten (11 Sekunden Ruflänge). Den 3. Platz belegte ein Hahn des Freilichtmuseums Detmold mit 9,8 Punkten bzw. Sekunden.
Der Siegerhahn in der Klasse 2 – Bosnische Kräher - kam ebenfalls von Thilo Bock und krähte 13 Sekunden. Der beste Hahn in der Klasse 3 – Bergische Zwerg-Kräher - krähte 6 Sekunden. Hier ging der Preis an Karl-Heinz Killing.

Frank Haßkerl, Pressewart